HILDESHEIM (DTZ/fok).
Fachhandels-Events für Feinschnitt und Zigarettenpapier in der Gastronomie? Dieses Instrument zur Kundengewinnung und -bindung wird relativ selten genutzt.
Zum einen, weil Drehen und Stopfen meist mit Preiswert-Rauchen und bescheidenen Margen assoziiert werden. Zum anderen aber auch, weil Zigarren / Zigarillos und Pfeifen / Pfeifentabak thematisch mehr hergeben und als Imagefaktor höher eingeschätzt werden. Andererseits liegt die Zahl der Feinschnittraucher deutlich höher als die Zahl der Zigarren- und Pfeifenraucher. Also durchaus ein interessantes Potenzial für den Fachhandel, um hier gezielt neue Kunden zu gewinnen und Stammkunden zu binden. Auch für den Hildesheimer Fachhändler Norbert Diekmann mit seinem Laden "Nobbis Tabakwelt" liegt der Fokus der zahlreichen Events, die er mit der örtlichen Gastronomie für Tabakprodukt realisiert, auf der Zigarre. Das hindert ihn aber keineswegs, auch Veranstaltungen rund ums Drehen und Stopfen zu organisieren. Denn die Stadt Hildesheim bietet mit ihren zahlreichen Studenten ein interessantes Umfeld für solche Aktionen. Ziel ist, die Nachfrage von Feinschnitt auf sein Geschäft zu lenken und gleichzeitig das Interesse der eigenen Kunden auf gute Feinschnitt-, Papier und Zubehör-qualitäten zu fixieren, die auch vernünftige Renditen abwerfen. Vor allem aber geht es ihm darum, gemeinsam mit den Konsumenten und den Gastronomen Spaß zu haben, zu kommunizieren, Bewegung und Erlebnis in den Alltag zu bringen.
Basis ist das gute Verhältnis zur Gastronomie. Mit rund 20 Kneipen und Gaststätten kooperiert Norbert Diekmann, beliefert sie mit Zigarren und sorgt mit den Events für Geschäftsbelebung. Ein ganz entscheidender Schritt war dabei der gemeinsame Kampf gegen ein totales Gastrorauchverbot, an dessen Organisation er sich maßgeblich beteiligte. "Heute zählt Hildesheim zu den Städten mit der höchsten Dichte an Raucherlokalen bzw. Raucherräumen in Deutschland, ein Erfolg des gemeinsamen Kampfes", stellt Diekmann fest. Aus dieser Verbundenheit heraus entstehen immer wieder neue Ideen für Events, so etwa ganz kurzfristig eines zum Abschluss der Fußballbundesligasaison, "aus dem Bauch heraus geboren", mit einem Vorlauf von nur 14 Tagen zwischen Idee und Realisierung. Im Restaurant "Alte Fabrik" wurde die erste Stopfmeisterschaft durchgeführt, der Sieger fertigte stolze 17 Zigaretten in nur drei Minuten. Bei den 850 Gästen war das Interesse so groß, dass die Veranstaltung eine Woche später wiederholt wurde. Als Industriepartner hatte sich Diekmann die Firmen Planta (u.a. mit der Marke Moro) und Gizeh ins Boot geholt. Das Thema Drehen stand im Mittelpunkt eines Events im Hildesheimer Pub "Hemingway". Hier ging's um das Testen von Drehtabaken, darunter auch etliche Spezialitäten, die Diekmann in seinem Sortiment mit jeweils rund 120 unterschiedlichen Sorten an Pouches und Dosen bereit hält. Die Teilnehmer lernten vor allem die Geschmacksvielfalt kennen. Dass der hochpreisige Orient-Drehtabak Akropolis in den Tagen danach plötzlich Diekmanns Laden stark nachgefragt wurde, ist eindeutig auf das Feinschnitt-Tasting zurückzuführen. Und auch im beliebten Hildesheimer Pub ("Hemingway" fand zwei Mal ein geselliger Dreh-und Stopfabend statt, bei dem Diekmann von Außendienstmit- arbeitern der Firmen Planta, Scandinavian Tobacco (mit der Marke Crossroad) und von Gizeh unterstützt wurde.
Auch das Großereignis ,,Hildesheim in Flammen" nutzte Diekmann zur Organisation mehrerer paralleler Tabakwaren-Events: In verschiedenen Gastronomiebetrieben präsentierten etliche Importeure und Hersteller ihre Produkte von der Zigarre (Gebr. Heinemann und Don Stefano) über Zigaretten (GRE mit Mohawk und TMCC mit Skavenbeck) bis hin zum Rauchtabak (Joh.Wilh. von Eicken und Planta).
Zielgruppengerecht müssen die Events sein, ist Diekmann überzeugt, und spricht daher auch mit den einzelnen Gastronomen die Inhalte ab. So etwa mit dem Szenelokal .Littera Nova", dessen intellektuell ausgerichtetes Publikum "drehaffin" ist und sich für additivfreie Tabake, wie Manitou und Pepe, begeistern ließ. Die Kontakte zur Industrie nutzt Diekmann meist auf lokaler Ebene, in enger Zusammenarbeit mit den zuständigen Außendienstmitarbeitern.
Gerade kleinere Firmen, die keine hohen Event-Etats haben, sind für solche Engagements aufgeschlossen. Dennoch ist nicht alles gesponsert. Deshalb plant er, für Feinschnitt-Tastings künftig eine Startgebühr von drei Euro zu nehmen, um seine Kosten zu decken. Entscheidend ist aber, dass sich die Ansprache von Neu-und Stammkunden bei den Umsätzen rechnet. Und das tun sie, stellt Diekmann fest.
Der Anteil von Dreh-und Stopftabak am Tabakwarenumsatz stieg im 1. Halbjahr 2010 im Vergleich zum Vorjahr auf 30-35 Prozent; die Umsätze bei Zigarettenpapier und Filtern entwickelten sich ebenfalls deutlich nach oben.
(Die Tabak Zeitung - 6.08.2010)